Ich bin süchtig nach Anerkennung

Ich bin süchtig nach Anerkennung

Kein sehr schöner Satz. Einer, der erstmal wehtut. Trotzdem hat er mich damals, als ich ihn zum ersten Mal für mich anerkennen konnte, sehr befreit.
Klarheit ist im ersten Moment nicht immer schön. Sie kann wehtun und schambehaftet sein und doch befreit sie uns und zeigt uns neue Wege.
Bis jetzt hat jede einzelne positive Veränderung in meinem Leben mit dieser Art Klarheit begonnen. Heute sehe ich sie als Liebe, die sich ein harsches Deckmäntelchen zugelegt hat.

Es tat damals weh, mir einzugestehen, dass ich süchtig nach Anerkennung bin, aber es gab mir auch die Option, mit offenen Augen neu zu entscheiden. Jenseits der schmerzhaften Erkenntnis lag eine tiefe Unschuld. Natürlich bin ich süchtig nach Anerkennung in einer Gesellschaft, die mir nie etwas anderes beigebracht hat als mich über den Vergleich mit anderen zu definieren. Natürlich bin ich süchtig nach der Fürsorge anderer, wenn ich meine eigene Fürsorge für mich selbst nicht spüren kann. Ich bin süchtig, weil ich mir selbst etwas geben will, was ich brauche – und bis jetzt kannte ich keine gesünderen Wege, es zu bekommen. (und ich vermute, dass diese Sucht sehr verbreitet ist und nicht nur mich betrifft…)

In dem klaren Erkennen solcher Mechanismen ohne sich selbst dafür zu beschuldigen, liegt eine große Kraft. Ich konnte das kleine Kind in mir sehen und halten, dass sich immer so sehr danach gesehnt hat, mit seinen Stärken und seiner ganzen liebenswerten Kraft gesehen zu werden. Innere Wunden konnten ihren Heilungsprozess beginnen und gleichzeitig konnte ich mich vor dem Funken Wahrheit verneigen, der in all dem liegt, nämlich, dass wir uns in der Tat gegenseitig brauchen und Menschen nicht dazu gemacht sind, sich alleine durchs Leben zu kämpfen.

Ob das innere Drängen in mir, von anderen bestätigt zu werden, verschwunden ist? Nicht ganz. Ich spüre den Drang immer mal wieder und verstricke mich, bis ich keine Luft mehr bekomme. Tja, und dann merke ich es, ziehe mich ganz sanft aus der Situation heraus und atme tief durch. Ehre mich für meinen intensiven Wunsch, das zu bekommen, was ich brauche. Und komme zurück zu mir selbst.
Es wird leichter, jeden Tag ein bisschen.

Aber es beginnt mit Klarheit und Ehrlichkeit.

Und jetzt kommt die entscheidende Kehrseite: Diese Klarheit kann niemand für dich finden. Lass dir von niemandem erzählen, dass du süchtig nach Anerkennung bist, sondern finde selbst heraus, ob es stimmt. Und vertraue deiner eigenen Meinung dazu.

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