Verletzlich sein ist was für Helden

Verletzlichkeit ist was für Helden

 

(Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich bereits im Januar 2015 verfasst, damals vollkommen ohne Plan, einfach nur, weil es raus wollte. Damals hatte ich keine Ahnung davon, dass ich einmal diese Seite haben und über Verletzlichkeit, Authentizität und Selbstermächtigung schreiben würde… ist das Leben nicht verrrückt? 🙂 Eben habe ich diesen Beitrag wiedergefunden und ich musste schmunzeln und fühlte mich gleichzeitig sehr berührt davon. Daher teile ich ihn vollkommen unzensiert mit dir.)

Verletzlich sein ist was für Helden

Vielleicht interessiere ich mich deshalb fürs Mittelalter, weil ich ein ziemlich guter Ritter geworden wäre.

Okay, vielleicht nicht was die Manieren angeht.

Aber dafür habe ich meine Rüstung immer dabei. Und zwar angezogen.

Falls mich mal irgendjemand angreift.

Ich meine, es könnte ja sein, dass mich jemand im Supermarkt zu einem Duell herausfordert, oder?

Es ist wirklich praktisch so einen Panzer zu haben.

Okay, Spaß und Mittelalter beiseite.

Natürlich trage ich keine 70 kg Eisen mit mir herum.

Aber mein Panzer erfüllt eine ähnliche Funktion: Nicht verletzt zu werden.

Ich stecke in einem dicken Panzer aus alten Mustern und Abwehrhaltungen, der mich gegen Einflüsse von außen schützen soll. Denn irgendwann habe ich einmal gelernt, dass es gefährlich ist, sich zu zeigen. Dass es sicherer ist hinter dieser unsichtbaren Wand.

Ich möchte nicht, dass andere mich verletzen. Ich möchte nicht leiden. Und vor allem möchte ich eines: Die Kontrolle über mein Leben behalten.

Mein Schwellentroll gibt mir dabei immer recht. Er warnt mich davor, was passieren könnte, wenn ich mich verletzlich zeige. Wenn ich ihn nicht besser kennen würde, hätte ich das Gefühl, er wolle mich beschützen und bemuttern.

Doch halt!

Irgendwas stimmt da doch nicht!

Ich meine, ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet mein Schwellentroll mich davor warnt, mich verletzlich zu zeigen? Als wenn der um mich besorgt wäre!

Wir sind aber verletzlich

Hand aufs Herz, hat dein Panzer je schon mal richtig funktioniert? Gibt es da nicht doch immer wieder Schwachstellen, durch die unangenehme Worte oder Handlungen an dein Herz dringen?

Und wenn das so ist: Was in aller Welt nützt dir ein Panzer, der nicht ausreichend schützt?

Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Wir sind einfach verletzlich. Daran gibt es nichts zu rütteln, ganz gleich, ob es uns gefällt oder nicht.

Wir können all unsere Energie in Abwehrmechanismen stecken, doch es gibt immer eine Stelle, die wir vergessen. Das ist wie mit dem Drachen, der getötet wird, weil ihm eine (!) Schuppe fehlt.

Natürlich könnten wir auch versuchen, allen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Uns im Schlafzimmer einsperren. Unters Bett kriechen.

Ich habe es ausprobiert. Es hat nicht funktioniert, denn auch unter dem Bett war ein Monster. Und das sah aus wie ich selbst.

Um also mit einer sehr unangenehmen Wahrheit herauszurücken: Nach meiner Erfahrung gibt es keinen Ort in der realen Welt, an dem wir definitiv nicht verletzt werden können.

Wir können uns nicht verstecken.

Ziemlich beängstigend, nicht?

Und das Erstaunlichste: Obwohl wir das doch alle irgendwie wissen, behalten wir weiter unsere unbequemen Panzer an. Um wenigstens die Illusion aufrecht zu erhalten, geschützt zu sein.

Es ist natürlich dein gutes Recht, weiterhin deinen Panzer zu tragen. Trotzdem möchte ich dir einige gute Gründe nennen, warum es sich lohnt, dich von diesem Ding zu befreien.

Entscheide danach selbst, ob du probehalber eine Schicht ausziehen möchtest.

4 Gründe, warum es sich lohnt, sich verletzlich zu zeigen:

1) Es wird leichter

Okay, das ist vielleicht selbstverständlich. Wenn man etwas Schweres auszieht, wird vieles leichter. Aber hast du dir schon einmal in allen Konsequenzen überlegt, was das für dein Leben bedeutet? Wir alle streben nach einem glücklichen, zufriedenen Leben. Und falls Glück für dich etwas Ähnliches bedeutet wie für mich, dann steht es in ziemlichem Widerspruch zu verkrampften Muskeln und Magenschmerzen.

Grund eins für Verletzlichkeit ist also ganz einfach:

Dir wird es schon rein körperlich besser gehen.

Überlege dir mal: Wie oft und wie intensiv müsstest du von anderen verletzt werden, bis es genauso wehtut, wie das, was du dir durch deine Abwehr selbst zumutest?

2) Du triffst die richtigen Leute

Das Problem an einem Gefühlspanzer ist, dass er in beide Richtungen undurchlässig ist. Das stellen letztendlich alle Menschen fest, die Mauern bauen: Das Ding schützt sie zwar, beraubt sie dafür aber einer Sache, ohne die ihr Leben leer und kalt wird: Dem wirklichen Kontakt zu anderen Menschen.

Schon möglich, dass du trotz deiner Abwehr kein Einsiedler bist.

Aaaber: Bist du wirklich du selbst, wenn du mit anderen Menschen redest? Oder glaubst du jemand anderes sein zu müssen? Jemand, der stark und unverletzlich ist?

Das Problem dabei ist einfach folgendes: Deine potentiellen Freunde freunden sich mit deiner Pseudo-Persönlichkeit an und nicht mit dir selbst. Und wenn sich sowas richtig gefestigt hat, fällt es dir doppelt so schwer, diese Maske, die du trägst, wieder abzulegen. Denn es könnte ja sein, dass das, was darunter liegt, niemandem gefällt.

3) Du nimmst anderen die Angst, verletzlich zu sein

Glaubst du wirklich, dein Gegenüber leide nicht unter den gleichen Ängsten wie du? Was wäre, wenn du den ersten Schritt gehst und es wagst, verletzlich zu sein? Nimm du die Rüstung ab und zeige damit, dass das Turnier vorbei ist.

Vielleicht ist dein Mitmensch sogar froh, wenn er auch endlich dieses schwere Ding abnehmen kann.

4) Du spürst deinen wunderbaren Wesenskern

Die Mauer, die du um dein Herz errichtest, hält nicht nur andere Menschen von dir fern. Sie hält auch dich im Außen fest. Und irgendwann hast du vergessen, was jenseits der Mauer ist. Dann möchtest du das Tor zu deinem Inneren vielleicht gar nicht mehr öffnen, weil du Angst hast, dass dort nichts ist.

Wenn du deine Schutzmechanismen fallen lässt, erkennst du wie wunderbar du bist. Und du wirst sehen, warum das, was hinter diesem Panzer liegt, in seinem Kern gar nicht verletzt werden kann.

Bist du bereit, es auszuprobieren?

Sich zu zeigen ist ein Risiko, das möchte ich gar nicht kleinreden. Und natürlich gibt es Situationen, in denen es gut und richtig ist, sich zu schützen. Nicht alle Menschen zeigen immer eine angemessene Reaktion. Dem ein oder anderen Mitmenschen bist du vielleicht ein Dorn im Auge, weil das, was du tust, seine eigenen Ängste wachruft. Und es wäre unrealistisch, anzunehmen, dass er das niemals an dir auslässt, nur, weil du ihm keinen Grund dazu gibst.

Doch wenn wir nicht bereit sind, uns wenigstens ein ganz kleines bisschen zu zeigen, sind wir vielleicht sicherer, verpassen aber das, wozu wir hier sind: Das Leben.

Suchst du einen geschützten Raum, um einfach nur DU zu sein und dich auch verletzlich zu zeigen? Meine Facebook-Gruppe ‘Bedingungslos du selbst’ ist genau so ein Ort. Hier kannst du beitreten.

Welche Ängste halten dich davon ab, dich verletzlich zu zeigen? Hast du schon ein paar Schichten abgelegt und wenn ja: Wie hast du das geschafft? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Alles Liebe,

deine Marie

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